Gefühle: Fakt oder Fake?

von 14. September 2020Kommunikation, Persönlichkeit

Wie Du zwischen echten Gefühlen und Pseudo-Gefühlen unterscheidest und bessere Gespräche führen kannst

Wie fühlst Du Dich gerade? Bist du glücklich? Wirst du nicht respektiert? Traurig? Ignoriert? Deprimiert? Überwältigt? Beleidigt?

Welches dieser Adjektive ist nun ein ‚echtes‘ Gefühl und welches ein ‚unechtes‘? Kannst Du den Unterschied erkennen?

Auf dem Weg zu besseren Gesprächen musst Du lernen, wie Du über Deine Gefühle und Bedürfnisse sprechen kannst. Du musst zum DETEKTIV Deiner eigenen Seele werden und es braucht einige Zeit und Energie, um Deinen Gefühlen auf die Spur zu kommen!

Holen wir unsere Lupen heraus!

Was sind Gefühle?

Was ist das für ein Gefühl?

Das Wörterbuch definiert ein Gefühl als ‚einen emotionalen Zustand oder eine emotionale Reaktion‘, und Forschungen legen nahe, dass Menschen fünf ‚Kern‘-Emotionen haben: Freude, Traurigkeit, Wut, Angst und Ekel (diejenigen unter Euch, die den Film „Alles Steht Kopf“ von Pixar gesehen haben, haben wahrscheinlich bereits das folgende Bild im Kopf):

fröhlich, hoffnungslos, verärgert, unzufrieden, wütend, erleichtert, zärtlich, ängstlich, schuldig, entschuldigend

Achterbahnfahrt!

Was für ein Tag! In letzter Zeit sind wir mit all dem Homeschooling, dem schlechten Wetter und dem Stress durch das Coronavirus auf einer emotionalen Achterbahn gefahren, und jeden Tag fühle ich eine ganze Reihe von widersprüchlichen und anstrengenden Emotionen. Ich hoffe und bete, dass ruhigere Tage vor uns liegen!

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe jedes einzelne dieser Gefühle (in unterschiedlichen Intensitäten!) irgendwann in meinem Leben gespürt. Wenn ich eine Momentaufnahme meines Tages machen müsste, würde ich die folgenden Gefühle auflisten:

Gefühle fühlen sich manchmal wie eine Achterbahnfahrt!
Somebody let me off!

Finde die Fälschung

Eine Sache, die wir über Gefühle sagen können, ist, dass sie MIT UNS beginnen und aufhören. Sie drücken unseren momentanen inneren Zustand aus. Wenn wir über unsere Gefühle sprechen, klingt es so:

‚Ich bin/bin nicht‘

  • traurig
  • frustriert
  • wütend
  • verwirrt

Dies unterscheidet sich sehr von der nächsten Kategorie, den Pseudo-Gefühlen.

Wenn ich von Pseudo-Gefühlen spreche, dann meine ich die Art und Weise, wie wir unseren emotionalen Zustand als Ergebnis dessen beschreiben, was jemand anderes getan oder gesagt hat. Zum Beispiel,

„Ich fühle mich …

  • nicht respektiert, wenn Du so mit mir sprichst.‘
  • ignoriert, wenn Du mich nicht ansiehst, während ich rede.‘
  • wertlos, wenn Du nicht bemerkst, wie traurig ich bin.‘
  • dumm, wenn du mich wie ein Kind behandelst.‘

Im Gegensatz zu Gefühlen fügen diese ‚Pseudo-Gefühle‘ eine Ebene der Interpretation und/oder Beurteilung hinzu und geben letztlich jemand anderem die Verantwortung dafür, wie wir uns fühlen.

Wenn wir die Botschaft so verpacken, sollten wir uns nicht wundern, wenn die Reaktion negativ ist (und falls Du Probleme hast, Dir das vorzustellen, stell Dir einfach vor, dass jemand einen der oben genannten Sätze zu DIR gesagt hat und wie Du darauf reagieren würdest).

Pseudo-Gefühle sind wie Geladene Pistolen

Wenn Du mit Pseudo-Gefühlen hantierst, versuchst Du, Schuld zuzuweisen, statt Verantwortung zu übernehmen!

Werfen wir einen Blick auf die folgende Situation:

Dein Partner verliert die Beherrschung und beginnt, dich zu beschimpfen und Beispiele aus der Vergangenheit zu nennen, wo du Fehler gemacht hast. Du sagst:

‚Ich fühle mich nicht respektiert, wenn Du so mit mir sprichst.‘

Was wird wahrscheinlich aus dem Mund Deines Partners / Freundes / Kollegen herauskommen, nachdem Du das gesagt hast? Etwas wie:

‚Ich bin nicht respektlos Dir gegenüber!‘ (Leugnen)

ODER ‚DU fühlst dich nicht respektiert?! DU bist derjenige, der mich nicht respektiert!‘ (Gegenangriff)

ODER ‚Aber natürlich respektiere ich Dich!‘ (Rechtfertigung)

Und jetzt bist Du auf dem Weg zu dem Kampf, den Du wahrscheinlich schon oft erlebt hast!

Wie können wir es also besser machen?

Wenn wir ein konstruktiveres Gespräch führen wollen, müssen wir herausfinden, WARUM wir uns nicht respektiert fühlen und welche Bedürfnisse derzeit nicht erfüllt werden.

Welche Gefühle hast Du in diesem Moment?

  • Wut – warum bringt mein Partner alte Fehler wieder zur Sprache?
  • Traurigkeit/Frustration – warum kann mein Partner nicht sehen, wie hart ich daran arbeite, meine Vergangenheit zu überwinden?
  • Verwirrung/Hoffnungslosigkeit – wie kann ich ihm/ihr zeigen, dass ich versuche, mich zu ändern?

Welche Bedürfnisse werden nicht erfüllt?

  • Vergebung / Fairness
  • Anerkennung
  • Hoffnung / Trost / Verständnis
  • Respekt / Sicherheit

Wenn Du über dieses Argument nachdenkst (und ich sage nicht, dass dies in der Hitze des Gefechts sofort möglich sein wird), wirst Du feststellen, dass es eine ganze Reihe von Gefühlen und Bedürfnissen gibt, die Du kommunizieren kannst, idealerweise bevor der nächste Konflikt ausbricht, und die Deinem Partner helfen werden, Dich UND Deine ‚Einsatzregeln‘ besser zu verstehen. Hier kommen Grenzen ins Spiel!

Erste Hilfe für starke Gefühle!

Jetzt ist es an der Zeit, einen Aktionsplan für das Aufstellen eines ‚Schildes‘ zu entwickeln, das Deinem Partner die Informationen gibt, die er/sie braucht, um in Zukunft anders mit Dir zu kommunizieren. Einige dieser ‚Zeichen‘ könnten sein:

  1. Die Sünden der Vergangenheit werden nicht zur Sprache gebracht (und erfüllen damit meine Bedürfnisse nach Vergebung und Fairness)
  2. Wir verwenden keine erniedrigende und beleidigende Sprache (entspricht meinem Bedürfnis nach Respekt und Sicherheit)
  3. Wir lernen, uns gegenseitig zu loben, wenn die Dinge gut laufen (erfüllt meine Bedürfnisse nach Verständnis und Hoffnung)

Indem ihr euch auf einige gemeinsame Verhaltensregeln einigt, gibst Du Deiner Beziehung eine bessere Chance auf Erfolg, und wenn beide Partner entschlossen sind, ihr Bestes zu geben, wirst Du feststellen, dass diese explizite und auf Verantwortung basierende Kommunikation Kooperation statt Widerstand fördert.

Wie kann ich meine Gefühle und Bedürfnisse klar schildern?

1. Was wurde gesagt / getan? Achte dabei auf Fakten und Details, die von einer Videokamera aufgenommen werden könnten!

2. Wie hast Du dich dabei gefühlt (benutze dafür das PDF-Arbeitsblatt, um bestimmte Gefühle zu identifizieren)

3. Welche Bedürfnisse werden nicht erfüllt? (siehe PDF-Arbeitsblatt zu den Bedürfnissen)

4. Was kannst DU Deiner Meinung nach anders machen, um Deine Bedürfnisse zu erfüllen?

5. Was kann die andere Person anders tun, um Deine Bedürfnisse zu erfüllen?

6. Welche ‚Spielregeln‘ müssen in Zukunft gelten?

7. Wie willst Du ‚Danke‘ sagen, wenn die andere Person versucht, es besser zu machen?

Mit dieser Checkliste kannst Du lernen, einige Deiner kompliziertesten und schwierigsten Konfliktsituationen zu entwirren und mit den Gesprächen zu beginnen, die einen Unterschied machen. Wird es einfach sein? AUF KEINEN FALL! Wird es das wert sein? AUF JEDEN FALL!

Lass mich wissen, wie Du diese Checkliste in Deinem eigenen Leben anwendest! Wenn Du für diesen Prozess Hilfe brauchst, kannst Du dich gerne mit mir in Verbindung setzen, um eine Coaching-Sitzung zu vereinbaren.

Mein Link zur passenden Livesession: Fakt oder Fake

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